Was sind besondere Begabungen?  
 

  Der Begabungsbegriff wird wissenschaftlich sehr unterschiedlich gesehen und nicht eindeutig definiert. Aus neuropsychologischer Sicht sind Begabungen Fähigkeiten, um besonders effiziente Denkprozesse und herausragende Leistungen zu entfalten.

Beobachtbar ist die herausragende Leistung, die ein Kind/Erwachsener erbringt, nicht die Begabung an sich. Begabung allein führt jedoch nicht direkt zum Erbringen von (Hoch)Leistungen. Diese entfalten sich erst in der Wechselwirkung mit nicht kognitiven Persönlichkeitsmerkmalen (z.B. Leistungsmotivation, Arbeitshaltung, Selbstvertrauen, Stressbewältigungsstrategien). Die Realisierung von Begabung erfordert somit laut gängiger theoretischer Modelle der Hochbegabung (vgl. Renzulli, Mönks, Heller, Gagne u.a.) das Zusammenwirken von:

  • bestimmten angeborenen Potenzialen (Begabungsfaktoren)
  • günstigen Persönlichkeitsmerkmalen und
  • förderlichen Umwelten (z.B. Familienklima, Lernumwelt, kritische Lebensereignisse, Gruppenklima)


   
  

Besondere Begabung erkennen  
 

 

Zeigen Kinder hohe Leistungen in und außerhalb der Schule, werden ihre Begabungen leicht erkannt.

Eine hohe Begabung drückt sich aber nicht immer in Leistungen aus. Die Ursachen dafür sind vielschichtig.

Interessen, Denken, Lernen, soziales Verhalten - hier unterscheiden sich (hoch)begabte Kinder schon in sehr jungen Jahren.

- großes Detailwissen in einzelnen Bereichen

- umfangreicher Wortschatz

- schnelles Erfassen von Zusammenhängen

- vernetztes Denken

- gute Beobachtesgabe

- kritisches und unabhängiges Denken

- intrinsische Lernmotivation

- Ablehnung von Routinetätigkeiten


   
  

Besondere Begabung fördern  
 

 

Neuropsychologische Befunde deuten darauf hin, dass der frühen Förderung eine eminente Bedeutung für die Vernetzung im Gehirn und damit für die Entwicklung von Lernprozessen zukommt. Das menschliche Gehirn ist plastisch. Es reagiert besonders in jungen Jahren auf die Stimulation durch die Umwelt und kann sich so den unterschiedlichsten Kulturen und Milieus anpassen. Ein wichtiger Faktor für die bestmögliche Entfaltung aller Potenziale ist daher deren frühe Förderung. Wenn die Potenziale der Kinder nicht früh und intensiv genug geweckt, stimuliert und gefördert werden, verkümmern sie oder gelangen nicht zur Ausprägung.

Frühe Förderung darf allerdings nicht in Überforderung umschlagen und Kinder in die Rolle passiver KonsumentInnen von Förderangeboten machen. Kinder sind mit dem Drang Neues zu lernen ausgestattet und suchen sich selbst Aufgaben, an denen sie wachsen können.

   
Weißbuch Begabungs- und Exzellenzförderung   

Mögliche Probleme  
 

  In unserer Gesellschaft besteht das Vorurteil, hochbegabte Kinder zeigten immer auch außergewöhnlich gute Leistungen in der Schule. Für viele hochbegabte Kinder trifft dies auch durchaus zu. Eine große Anzahl dieser Kinder entspricht aber gar nicht dieser Vorstellung. Sie sind anscheinend gar nicht an Kindergarten oder Schule interessiert, haben schlechte Noten und verfügen häufig kaum über soziale Kontakte.

Viele Kinder verbergen ihre besonderen Begabungen, weil sie aufgrund langer Erfahrungen Angst vor Nachteilen haben. Sie haben das Gefühl von Niemandem verstanden zu werden. Auch befürchten viele Kinder - bewußt oder unbewußt - einen sozialen Druck seitens Gleichaltrigen, Erziehern, Lehrern, Verwandten oder Eltern und wollen diesen vermeiden.

Durch die fehlende Bestätigung und Anerkennung fühlen sich die Kinder “falsch” und entwickeln nur wenig Selbstbewußtsein.

Es gibt zur Zeit keine einheitliche Definition, was Hochbegabung eigentlich ist. Allgemein lässt sich aber sagen, daß das hochbegabte Kind Gleichaltrigen auf musischem, sportlichem oder intellektuellem Gebiet weit voraus ist. Während es für musische und sportliche Begabungen in unserer Gesellschaft eine sehr hohe Akzeptanz gibt, trifft dies bei einer intellektuellen Begabung häufig nicht zu. Über die Gründe hierfür kann nur spekuliert werden.

Begabung ist lediglich ein Potenzial. Um dieses Potenzial in Leistung umsetzen zu können, ist es notwendig, dass die besondere Begabung von Eltern, Umfeld und Schule akzeptiert wird und das Kind eine entsprechende Förderung erfährt. Dies zu erkennen, setzt aber das Wissen um Hochbegabung voraus.

   
Auszug aus “Hochbegabung - Definition und Probleme” /DGhK